
1937 | Gjergj Fishta:
Lahuta e Malcís / Die Laute des Hochlandes
Kanga / Gesang 13. 1-77


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Prendoi dielli, n’ qiell duel hâna,
Als die Sonne ging zur Rüste /
Und der Mond am Himmel auftaucht’,
N’ Veleçik po pingron Zâna:
Da ertönt der Zâna Stimme /
Von des Veleçiks Abhängen,
Ehu! ju malet e Shqypnís,
Schluchzend gleich der Nachtigall: /
“Wehe! Berge ihr Albaniens!
N’ t’ cillat strukë shqypja e lirís
Traun! In euren Schründen birgt sich /
Der alban’schen Freiheit Adler; |
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| 05 |
N’ t’ bardhat kohë qi kan prendue
In den sel’gen alten Zeiten, /
Die für immer sind versunken,
S’ lête anmik, jo, me i u afrue!
Habt ihr’s nicht geduldet, wahrlich! /
Dass ein Feind sich frech euch nahe!
E di shpat e di edhe prrue,
Wildbach weiß, es weiß der Wald auch,
E di landë e di edhe gúr,
Jed’ Gehölz und jeder Stein weiß,
Shqyptarís kryq e terthuer,
Kreuz und quer im Land Albanien, |
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| 10 |
Se sa gjak atbotë i anmikut
Wieviel Feindblut damals strömte
Vojti rrkajë prej t’ bardhë çelikut,
Von dem Stahl, der leuchtend zuckte,
Qi flakote n’ dorë t’ Shqyptarit
In der Hand des Shqipetaren
Porsi rrfeja majes s’ Sharit.
Wie der Blitz, wenn er herabfährt /
Auf den Gipfel des Bergs Shari.
A kisht’ mujtë kurr n’ at kohë t’ lume,
Hätt’ in jenen sel’gen Tagen - |
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| 15 |
(Me lot gjakut sod t’ lotueme!)
Heut’ beweint mit blut’gen Tränen!
Veç nji troe t’ tokës shqyptare
- Jemals wohl vermocht ein Krümchen
M’ e rmue dora grabitçare?
Nur zu rauben vom alban’schen /
Boden freche Räuberhand?
Ah! jo kurr; t’ ish’ çue mbarë bota...
O nein! Niemals! Aufgestanden /
Wär’ sofort die ganze Erde...
Pse ndo ‘i Lekë, a ‘i Gjergj Kastriota
Denn ein Lek, ein Gjergj Kastriota, |
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| 20 |
Do t’ kisht’ dalë, at dorë rrembyese
Wär’ erstanden, abzuhauen /
Jene räuberische Rechte
M’ e cungue me armë ngadhnyese,
Mit dem Schwert, das immer siegreich,
T’ cillat n’ shekull do t’ permenden
Helden, deren Ruhm wird tönen /
In der Welt, solang am Himmel
Hânë e hyj sa qiellve t’ enden.
Mond und Sterne ihre Bahn zieh’n.
Por kan ndrrue sot moti e stina
Doch seitdem sind anders worden |
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| 25 |
Per dhé t’ ngrît, kû rreh Martina!
Und die Erd’ ist starr geworden, /
Seit hier knallen die Gewehre.
Gjinde e mbajtun me lot t’ shumit
Menschen lassen sich ernähren
Qi n’ djersë njomë bûcat e umit,
Von des armen Mannes Tränen, /
Der die Schollen, die der Pflug wirft, /
Mit der Stirne Schweiß benetzet;
Ja qi n’ kullmë rreshket kumuese,
Oder der, am Amboss hämmernd, /
Dass es hallt, braun wird und runzlig;
Ja nper dét bjen valës shkumuese,
Oder der dahin durch’s Meer fährt, /
Wenn die hohen Wogen rauschen, |
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| 30 |
Per me mbajtë nji grue te shpija
Um ein Weib zu Haus zu nähren, /
Dessen Kinder hungrig bitten,
S’ cilles bukë i lypi fmija,
Dass die Mutter ihnen Brot geb’;
Edhe i lên ndoshta me kjá,
Mutter muss sie weinen lassen,
Perse e mjera bukë nuk ká:
Denn die Arme hat kein Brot.
Gjinde, s’ cilles Zot i âsht ari,
Menschen wohnen hier auf Erden, /
Die das Gold als Gott verehren; |
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| 35 |
T’ zezen tokë qi i ngratë Shqyptari
Diese woll’n den armen Boden,
Shtrêjt me gjak e pat fitue,
Der gar teuer einst erkauft ward /
Mit dem Blut des Shqipetaren,
Pa ndo ‘i dhimë, kjoshin mallkue!
Der bedauernswerten Helden, /
Diesen Boden woll’n sie heute
Sod m’ e dá duen copa copa:
Ohne Mitleid - Fluch sie treffe! - /
Wollen teilen ihn in Stücke ...
E perse? Pse don Europa...
Und warum? Europa will es ... |
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| 40 |
Uh! Europë, ti kurva e motit,
Oh! Europa, alte Hure,
Qi i rae mohit besës e Zotit,
Die du Gott den Herrn verleugnest,
Po a ky â shêji i gjytetnís:
Zeugt dein Handeln von Kultur?
Me dá token e Shqypnís
Aufzuteilen heil’gen Boden, /
Der Albaner Heimaterde,
Per me mbajtë klysht e Rusís?
Um zu nähren Russlands Hündchen?! |
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| 45 |
Po ti a kshtû sod na i perligje
So hast du uns heut’ gelohnet
Njata burra qi m’ kto brigje
Jene Helden uns’rer Küsten,
Per tý vehten bâne flije
Die für dich sich selbst geopfert,
Kur ti heshtshe prej ligshtije?
Als du vor Entkräft’gung stumm wardst?
Ti qi i a kalle flaken diellit
Du dort oben, der entzündet /
Uns’rer Sonne wärmend Feuer, |
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E i shestove rrathët e qiellit
Der des Himmels Kreise ordnet,
Ti, prej eshtnash t’ t’ ngratë Shqyptarve,
Gib, dass heut’ aus den Gebeinen /
Jener armen Shqipetaren,
Qi bânë deken per dhé t’ t’ parve,
Die gestorben für die Heimat, /
Für der Ahnen trauten Boden,
Bân sod t’ bîjn fatosa t’ rí,
Neue Heldensöhne wachsen,
T’ cillt nji troe t’ ksajë Shqypní
Die nicht eine kleine Krume /
Von dem teuren Land Albanien |
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| 55 |
Mos t’ a lâjn Shkjaut n’ dorë me i rá
Fallen lassen in des Slawen /
Hand, nein eher gründlich baden
Krejt në gjak nji herë pa e lá!
Ihn in seinem eig’nen Blut!”
Lum, oj Zâna e Veleçikut,
Gut sangst du, du hehre Zâna! /
Zâna von dem Veleçik!
Qi m’ i a lshon ti namët anmikut,
Schleuderst Flüche auf die Feinde!
Qi m’ i uron djelmt e Malcís,
Segnest mir des Hochlands Söhne! |
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| 60 |
Qi m’ i a kján hallin Shqypnís;
Und beweinst Albaniens Unglück,
Ksaj Shqypní, e cilla motit,
Des Albanien, das vor Zeiten
N’ zâ kah pushka e besa e Zotit,
Hochberühmt ob seiner Pushken, /
Hochberühmt ob seiner Treue,
Pat kênë çmue prej fisesh t’ tâna
Ward geschätzt von allen Völkern,
Kah bjen dielli e kah mârr hâna!
Wo die Sonn’ strahlt und der Mond scheint! |
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| 65 |
Por, sado qi poshtë ká rá
Doch wie tief auch heut’ gefallen
Sod me sod, e rrin tue kjá
Ist Albanien, uns’re Heimat,
N’ pluhen t’ tokës, prej njerzve shá,
Mag’s auch in dem Staub der Erde /
Weinend sitzen und missachtet
Prap, oj Zânë, shkndija e burrnís
Trotzdem Zâna, ist der Funke /
Alter Tapferkeit nicht gänzlich
Nuk â shkimë n’ male t’ Shqypnís,
Heut’ erloschen in Albanien, /
In den Bergen uns’rer Heimat, |
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| 70 |
Qi, manà, edhè n’ kto kohë t’ reja
Dieser Funke, der gewisslich /
Auch in unsern neuen Zeiten
Ka ‘i herë ndezet flakë si rrfeja.
Einmal angefacht wird werden /
Zu der Flamme, die da lohet /
Wie der Blitzstrahl, der herabzuckt.
S’ kan mbetë shkret, jo, armët besnike,
Nicht verwaist die Waffen liegen, /
Wahrlich nicht, die treuen, denn heut’
Perse Arbnorja grue fisnike,
Zeugt Arbnorja, diese edle /
Vornehm mütterlich Fraue,
Bân se bân fatosa t’ rí,
Junge Helden stets von neuem, /
So wie sie sie einstmals zeugte, |
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| 75 |
T’ cillt trimnisht per ket Shqypní
Helden, die kühn für Albanien,
E per besë e t’ bardhen Fé
Für ihr Wort, den heil’gen Glauben
E bâjn deken si me lé.
Sterben, als ob’s nicht den Tod gält, /
Sondern’s gält ein neues Leben. |
[deutsch: Maximilian Lambertz]
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